.
KATEGORIEN

Grundberührung und Strandung Risiken sowie Schutzmaßnahmen

Join Our Telegram (Seaman Community)

Eine Grundberührung ist ein kritischer Vorfall in der Schifffahrt, der schnell zu einer Strandung führen kann. Bei einer Grundberührung kommt das Schiff mit dem Meeresboden in Kontakt, was Rumpfschäden, Leckagen oder sogar Manövrierunfähigkeit zur Folge haben kann. Die Hauptrisiken einer Grundberührung liegen nicht nur in den unmittelbaren Schäden, sondern auch in Umweltverschmutzung durch auslaufende Betriebsstoffe. Um eine Grundberührung zu vermeiden, sind präzise Navigation, regelmäßige Wartung der Echolote und Schulungen der Besatzung unerlässlich.

Wird eine Grundberührung nicht rechtzeitig erkannt, kann sie in eine Strandung münden – ein schwerwiegenderes Szenario, bei dem das Schiff fest auf Grund sitzt. Im Gegensatz zur Grundberührung erfordert eine Strandung oft aufwendige Bergungsmaßnahmen und kann hohe Kosten verursachen. Präventivmaßnahmen wie elektronische Seekarten, Fahrwassermarkierungen und angepasste Geschwindigkeit in flachen Gewässern reduzieren das Risiko sowohl für Grundberührung als auch für Strandung. Moderne Schiffe verfügen zudem über Warnsysteme, die bei drohender Grundberührung sofort Alarm auslösen.

Grundberührung und Strandung

Nichts fürchtet der Seemann mehr als eine Grundberührung an einer Legerwall-Küste, also Jener Uferzone, die dem auflandigen Wind schutzlos preisgegeben ist. Aus einer Grundberührung kann schnell eine Strandung werden, wenn es nicht gelingt, unmittelbar nach dem Aufsetzen mit eigener Kraft wieder freizukommen. War früher das Unvermögen großer Segelschiffe, gegen starken Wind und hohe Seen anzukreuzen, schuld an vielen Totalverlusten an einer Legerwall-Küste, so ereignen sich heute auf modernen Yachten Strandungen häufig durch die Unachtsamkeit des Schiffsführers beim Ansteuern schwieriger Fahrwasser oder durch Ankermanöver.

Gefahr bei Winddrehung

Das Ankern in Buchten und vor Stränden, die der Skipper aufgrund des ablandigen Windes als sicher erachtet, kann besonders gefährlich sein. Enge Buchten werden bei einer plötzlichen Winddrehung zur Legerwall-Falle, aus der es kein Entrinnen gibt, wenn der Anker slippt und die Yacht bereits Grundberührung hat. Jetzt laufen die Wellen im Flachwassebereich der Bucht zu kurzen, brechenden Seen auf, die durch ihre ruckartigen Schläge fast jeden Anker zum Ausbrechen bringen. Oft ist die Crew an Land gegangen und bemerkt die Winddrehung nicht. Bild 1.

Windwendungsgefahr
Bild 1. Bedrohung bei Windveränderung

Freikreuzen von Legerwall

Das Freikreuzen aus einer Legerw all-Bucht oder von einer Legerwall-Küste misslingt oft deswegen, weil starker, kurzer und hoher Seegang (Uferbrechung!) das Boot enorm versetzt und der Skipper aus Angst vor Krängang und Starkwind zu wenig Segelfläche führt zum Beispiel nur die Fock gesetzt hat. Oft stehen die Segel aber auch schlecht und werden nicht optimal dichtgenommen. Dadurch macht die Yacht nicht genügend Fahrt voraus und segelt Abdrift und Wellenversatz nicht aus. Mit einer optimal flach stehenden Sharmfock und Trysegel oder flach gerefftem Groß ist dies hingegen in den meisten Situationen ohne Schwierigkeiten möglich.

Keine Angst vorm Boot längsseits festmachenAus Angst vor dem Reffen wird in schwierigen Situationen häufig das Großsegel nicht rechtzeitig verkleinert. Der Skipper muss das Segel auffieren, wodurch es hoch am Wind anfängt, stark zu schlagen. Die hierdurch entstehenden Verwirbelungen und Erschütterungen bremsen das Boot so stark auf, dass ein Weg nach Luv allein unter Fock nicht mehr wettgemacht werden kann. Bild 2.

Abdriftwehr
Bild 2. Kurskorrektur aus Windfalle

Buganker ausbringen

Motorboot ankern so geht es richtig und sicherMotorboote treiben bei Motorausfall gewöhnlich mit dem Bug voraus vor dem Wind, weil die oder das Ruder als Lateralfläche wirken und die Aufbauten sich häufig im vorderen Drittel befinden. Das verführt den Skipper leicht dazu, kurz vor der Strandung achtern einen Heckanker auszuwerfen. Diese Maßnahme ist falsch! Das breite Heck gibt eine starke Angriffsfläche für die Seen, der Anker wird in den meisten Fällen nicht halten. Darum Stets Buganker und so viel Leine und Kette stecken wie an Bord sind. Bild 3.

Bugankern
Bild 3. Buganker ausbringen

Wenn der Außenborder ständig austaucht

Beim Auslaufen aus einer schmalen Hafeneinfahrt mit starker einlaufender Welle und auflandigem Wind werden leichte Yachten mit Außenborder oft auf die seitlichen Steinmolen versetzt, weil der Propeller des Außenborders in jeder Welle austaucht und keine Fahrt voraus mehr gemacht wird. Gute Seemannschaft heißt:

Kleinere Yachten laufen in einer solchen Situation nur mit gesetzten Segeln aus, deren Fläche so bemessen ist, dass ein sicheres Gegenankreuzen möglich ist. Kann die Hafen ausfahrt nicht ausschließlich unter Segeln kreuzenderweise verlassen werden, sollte ein Auslaufen unterbleiben.

Gefährliche Uferböschungen

Die brechenden und sich überlagernden Seen in der Nähe einer Uferböschung werden von vielen Skippern unterschätzt. Die Seen laufen hier besonders steil auf und bringen eine Yacht bei der Wende vollständig zum Stillstand. Ein schneller Versatz nach Lee ist die Folge. Daher sollte man beim Aufkreuzen stets ausreichenden Abstand zu Molen, Böschungen und steilen Küsten wahren.

Abbringen mit eigener Kraft

Es gehört große seemännische Erfahrung und Umsicht dazu, will man eine Yacht nach der Strandung ohne fremde Hilfe wieder freibekommen. Dabei müssen vor allem einige Grundregeln beachtet werden: Grundsätzlich sollte versucht werden, das Boot sofort nach der Grundberührung mithilfe des Motors zu drehen und auf dem um 180° geänderten Kurs in tiefes Wasser zurückzufahren. Erfolgte die Grundberührung unter Segeln mit entsprechender Krängung, wird diese aufhören, sobald das Boot in den Wind dreht. Fatalerweise erhöht sich dadurch der Tiefgang, und das Boot wird noch fester sitzen. Ist kein Schleppfahrzeug zur Stelle, bleibt dann meistens nur der Versuch, das Boot mithilfe eines seitlich ausgebrachten Ankers und einer künstlich erzeugten Krängung von der Untiefe zu warpen.

Hierzu wird der Anker mit dem Beiboot in Richtung des tieferen Wassers möglichst weit von der Yacht entfernt ausgebracht und die Ankertrosse auf eine Schotwinsch
geführt. Ein Fall (bei Topptakelung das Großfall, bei 7/8-Takelung das Fockfall) wird nun mit dem Beiboot ausgefahren und etliche Meter von der Bordwand entfernt mit einem eingebundenen Auge, besser noch mithilfe eines Klappläufers auf die Ankerleine gesetzt und mit der Fallwinsch so weit dichtgeholt, bis die Ankerleine 2 bis 3 Meter angehoben worden ist. Je größer der Winkel zum Mast ist, desto leichter lässt sich die notwendige Krängung erreichen. Jetzt wird mittschiffs über die Schotwinsch (oder über die Umlenkung) die Ankertrosse eingeholt, bis die Yacht vom Grund freikommt.Dabei wandert das Auge des Falls zwangsläufig dichter an das Schiff heran, und die Krängung nimmt ab. Das Manöver muss daher unter Umständen mehrfach wiederholt werden.

Krängung durch Gewichtstrimm

Wie bereits gesagt, wählt man grundsätzlich den gleichen Weg zurück, auf dem man festgekommen ist. Nur so ist sichergestellt, dass die Yacht in kürzester Zeit wieder tiefes Wasser erreicht. Bild 4.

Rückwegstrategie
Bild 4. Gleicher Weg – sicheres Entkommen

Das Freikommen vom Grund kann leichter gelingen, wenn zwei bis drei Mann der Crew auf den Großbaum entern, der außenbords geschwenkt wird. Aber Vorsicht: Eine Taudirk muss vorher unbedingt durch das Großfall verstärkt werden, sonst kann sie brechen, der Baum an Deck schlagen und die Crew sich verletzen. Bild 5.

Befreiungsbaum
Bild 5. Großbaum als Rettungsanker

Eine verstärkte Krängung kann auch erreicht werden, wenn ein Mann in den Mast aufentert und sich auf die Saling setzt. Die Crew an Deck erzielt dann bereits mit einer geringen Trimmveränderung eine große Krängung. Allerdings ist diese Maßnahme nur bei kleinen Yachten erfolgversprechend, und es kommt die Gefährdung des Mannes im Mast dazu. Niemals ohne Lifebelt und Sicherung durch das Groß- oder Fockfall aufentern! Bild 6.

Gewichtskrängung
Bild 6. Krängung durch Mastgewicht erhöht

Bei Yachten mit Kimmkielen ist eine Grundberührung an der Kreuz meistens weniger dramatisch. Durch die Krängung kommt nur der leewärtige Kiel fest, und das Auffieren oder Bergen der Segel genügt meistens, um das Boot aufrecht zu trimmen, wodurch sich der Tiefgang verringert. Bild 7.

Kielgrundung
Bild 7. Leewärtiger Kiel bei Grundberührung

Schlecht sind Kimmkieler indessen dran, wenn sie mit Backstagswind oder vor dem Wind, also ohne Schräglage, festkommen. Denn sie lassen sich nicht krängen wie ein Schiff mit Mittelkiel. Bild 8.

Krängungs-Dilemma
Bild 8. Probleme ohne Krängungsmöglichkeit

Hat man die Barre genauausgelotet ynd festgestellt, dass das Schiff sich weder mithilfe des Bootshakens beziehungsweise Spinnakerbaumes noch mit Muskelkraft im Wasser herumdrehen lässt, so wird der Anker für diese Aufgabe eingesetzt Sobald die Yacht durch den Wind auf den anderen Bug gedreht worden ist, werden alle Segel gesetzt, um eine möglichst große Krängung zu erzielen. Mit Motorkraft ist jetzt das Freikommen wahrscheinlich. Bild 9.

Ankerbefreiung
Bild 9. Ankerhilfe bei Grundberührung

Katamarane laufen wegen ihres geringen Tiefgangs nur sehr selten auf. Sollte es dennoch einmal passieren, so ist die Situation umso komplizierter. Bei kleinen Sportkats ohne Schwerter wird es möglich sein, vom Wasser aus den jeweils am höchsten aufgelaufenen Schwimmer anzuheben, um so den Kat umzudrehen und von der Barre zu schieben. Bei Kreuzerkatamaranen ist hierfür stets ein starker Schlepper erforderlich.

Ausbringen des Ankers

Wie die geschilderten Beispiele zeigen, ist der ausgebrachte Anker meistens die erfolgversprechendste Möglichkeit, das Schiff ohne fremde Hilfe wieder flott zu bekommen. Er muss so weit wie möglich zum tiefen Fahrwasser hin ausgebracht werden. Dafür ist am besten ein Schlauchboot geeignet, da es auch in voll geschlagenem Zustand noch durch die Brandung zu manövrieren ist. Man verlasse sich dabei allerdings nicht unbedingt auf einen Aussenborder, denn eine überkommende Welle könnte ihn funktionsuntüchtig machen. Die Kette und alle starken Leinen, die sich an Bord befinden, werden zusammengesteckt und ins Beiboot verladen. Jetzt versucht man, die Brandung zu überwinden. Bild 10(1). Beziehungsweise nach Luv zu rudern und den Anker wenigstens zehn Bootslängen vor der gestrandeten Yacht slippen. Bild 10(2). Mit auslaufender Kette und Trosse rudert man zurück an Bord, Bild 10(3), wo das Abbergemanöver eingeleitet wird. Erfolgversprechend dürfte es indessen nur sein, wenn die Yacht leichte Grundberührung hat und der Wind schwach ist.

Ankerrettung
Bild 10. Ausbringen des Ankers

Ereignet sich eine Grundberührung bei ruhigem Wetter und auf einem Gewässer ohne Strömung, so kann man versuchen, das Schiff vom Wasser aus mit der Schulter abzudrücken. Sofern der Boden fest genug ist und die Füße Halt finden, wird dieser persönliche Einsatz in vielen Fällen erfolgreich sein.

Aber Vorsicht: unbedingt an leinen und die Bordschuhe anbehalten!

Es könnten Glasscherben und Dosen auf dem Grund liegen. Die Tiefen um das Boot herum lassen sich vorher gut mit dem Bootshaken ausloten, der mit verschiedenfarbigen Tape-Streifen markiert wird.

Damit das beschriebene Manöver reibungslos abläuft, ist es wichtig, dass Anker, Trosse und Tampen sehr schnell und ohne zu vertörnen von einer Person über Bord gefiert werden können. Der Tampen wird in großen Buchten sorgfältig achtern im Beiboot aufgeschossen. Die Kette, ebenfalls ohne Kinken zurechtgelegt, kommt obendrauf. Der Anker wird mithilfe eines Stropps so festgelascht, dass er achtern bereits über Bord hängt und aus der Ruderposition sofort gefiert werden kann. Auf keinen Fall darf vergessen werden, die Ankerleine mit ihrem Tampen vor dem Manöver am Beiboot festzulaschen. Bild 11.

Ordentliche Trossenlage
Bild 11. Ketten und Tampen richtig verstaut

Footnotes

🤝 Support Our Work

To continue the project, we need your help!
700
140
🚀 Boosty ❤️ Patreon
⭐ Buy Premium 📄 Buy PDF-files with tests
👥 We are supported:
Vitaliy, Gennadiy, Reggae Denz, Elvin Cmi, Paul Jack, Pana
and 26 others
There are also transfers to the card • Thanks to everyone!
Sea-Man

Did you find mistake? Highlight and press CTRL+Enter

June, 09, 2025 296 0
Оценить статью
Telegram Vk Facebook Ok Instagram
Einen Kommentar hinzufügen


Notes
Text copied