Die Brandbekämpfung auf See stellt besondere Anforderungen an jedes Besatzungsmitglied. Unser spezialisiertes Brandbekämpfung-Training vermittelt praxisnah alle entscheidenden Maßnahmen bei Feuer an Bord – von der ersten Alarmierung bis zum finalen Löscherfolg. Die systematische Brandbekämpfung umfasst dabei nicht nur den korrekten Umgang mit Feuerlöschern und stationären Löschanlagen, sondern auch lebenswichtige Entscheidungen zur Gefahrenzone und Evakuierung. Regelmäßige Übungen zur Brandbekämpfung erhöhen die Reaktionssicherheit Ihrer Mannschaft und können im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden. Moderne Brandbekämpfung verbindet dabei traditionelle Seemannschaft mit innovativen Sicherheitstechnologien.
Im Fokus unserer Brandbekämpfung-Schulungen steht die realistische Simulation von Brandscenarien unter Berücksichtigung typischer Schiffsrisiken wie beengte Räume, Stromleitungen und brennbare Ladung. Die professionelle Brandbekämpfung erfordert zudem tiefes Verständnis für Brandklassen, Rauchgasdynamik und die Besonderheiten verschiedener Schiffstypen. Unser Brandbekämpfung-Programm schult daher sowohl theoretische Grundlagen als auch praktische Handlungskompetenz. Denn effektive Brandbekämpfung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis fundierter Ausbildung und klarer Kommandostrukturen – essentiell für die Sicherheit an Bord.
Wenn auf einer Yacht ein Feuer ausbricht, muss dieses nicht gleich den Verlust des ganzen Bootes zur Folge haben. Eine vorbeugende Ausrüstung, Vorsicht beim Umgang mit leicht entflamm baren Stoffen und – falls ein Feuer ausgebrochen ist – eine umsichtige und gezielte Brandbekämpfung helfen gemeinsam, ernsten Schaden abzuwenden. Das folgende Kapitel zeigt Ihnen, was man gegen Feuer an Bord tun kann.
Feuer an Bord
Sichere Gasinstallation
So sollte ein Gasflaschen-Compartment beschaffen sein. Der Stauraum darf keinerlei gasdurchlässige Verbindungen oder Öffnungen zum übrigen Bootsraum haben. Auch die Leitung von der Flasche zum Kocher muss gasdicht durch die Wand verlegt werden. Bild 1(1). Vorschriftsmäßig ist eine feste Rohrleitung vom flexiblen Druckschlauch im Gasbehälter bis zur Brennstelle im Boot. Bild 1(2). Die Flasche ist durch ein Ventil mit Druckminderer gesichert, Bild 1(3), und wird durch Abstandhalter festgeklemmt, damit sie nicht hin- und herschlagen kann. Bild 1(4). Vorteilhaft ist es, wenn die Flasche auf Klötzchen steht, da sich bei Gasentnahme Kondenswasser bildet, das am Boden der Flasche zu Rostbildung führt. Bild 1(5).
Da das Gas schwerer ist als Luft, sinkt es nach unten. Die Entlüftung muss folglich im Boden angesetzt und so nach außenbords geführt werden, dass kein Wasser in Windungen oder im durchhängenden Schlauch stehen bleiben kann. Bild 1(6).

Die unten gezeigten Verbindungen von Kupferrohr und Druckschlauch mithilfe von Schraubklemmen findet man immer noch an Gasinstallationen auf älteren Bootstypen: Ein umfassender Leitfaden zu Segelyachten und MotorbootenYachten. Sie sind in höchstem Maße gefährlich und unzulässig, da das Kupferrohr sich leicht herausschieben kann. Wie eine zulässige Rohr Schlauch-Verbindung aussehen muss, zeigt die Zeichnung. Sie ist nur vom Fachmann zu installieren, beziehungsweise man kauft im Fachhandel die fertig vorbereiteten Rohr- und Schlauchstücke in der erforderlichen Länge. Bild 2.

Nimmt man Gasgeruch wahr, so sollten sofort alle Leitungen und Anschlüsse überprüft werden. Am sichersten ist es, einen Fachmann mit dieser Aufgabe zu betrauen, der die Leitungen abdrückt und untersucht. An Bord kann man sich behelfen, indem man die Schlauch- beziehungsweise Leitungsverbindungen mit starker Seifenlauge einpinselt. Der Handel bietet hierfür auch spezielle Sprays an. Bläschen signalisieren den Gasaustritt.
Niemals offenes Feuer oder brennende Streichhölzer zur Überprüfung verwenden!
Brandgefahr durch Kocher
Sehr häufig entsteht Feuer an Bord durch den Betrieb des Kochers. Nach der landläufigen Meinung sind Gaskocher besonders gefährlich und Petroleum- oder Spirituskocher sehr sicher. Die Versicherungsstatistiken beweisen, dass dies nicht so ist. Vielmehr entstehen viele Brände an Bord durch schlecht gewartete Petroleumkocher, die nach ungenügendem Vorheizen eine hohe Stichflamme entwickeln können, durch die schon mancher Fenstervorhang oder die Deckenverkleidung Feuer fing. Unabhängig vom Kocher- und Brennstoffsystem kann eine hohe Stichflamme durch überhitztes Fett entstehen, das von der überschlagenden Kocherflamme entzündet wird. Auch Spiritus-Druckkocher können plötzliche Stichflammen entwickeln.
Da Spiritus besonders leicht entzündlich ist, sollte der Brennstoff nicht in der Nähe des Kochers aufbewahrt werden. Im Ausland wird Spiritus oft in dünnwandigen Kunststoff-Flaschen verkauft. Schon eine kurze Stichflamme genügt, um Flasche und Inhalt zu entzünden. Eine entsprechende Menge von brennendem Alkohol ist schwer zu löschen und entwickelt so viel Hitze, dass die Einrichtung in kürzester Zeit vom Feuer erfasst wird.
Sehr viel sicherer sind Spirituskocher, bei denen der Brennalkohol in speziellen Kartuschen mit unbrennbarem Füllmaterial gebunden ist. Diese Kocher arbeiten ohne Druck. Bild 3.

Gefahren beim Tanken
Die meisten Brände entstehen auf Sportbooten durch unsachgemäßes Tanken. Besondere Vorsicht ist bei Benzinmotoren geboten, da sich im Schiffsrumpf ein explosionsfähiges Benzin-Luft-Gemisch bilden kann. Überlaufendes Benzin verflüchtigt sich unter Deck. Das Boot am Kai möglichst so festmachen, dass der Wind von vorn kommt.
Außerdem beim Tanken: Fenster und Luken dicht. Motor aus, nicht rauchen, keine elektrischen Schalter betätigen. Nicht von und an Bord gehen.
Metallischen Kontakt zwischen Tankpistole und Einfüllstutzen herstellen.
Schon ein beim Starten mit dem Zündschlüssel entstehender Funke kann zur Explosion führen. Daher muss nach dem Tanken ausreichend Zeit eingeplant werden, um das Boot durch Öffnen aller Luken und Einschalten des Motorraum-Gebläses ausreichend zu ventilieren.
Die wichtigste und einfachste Maßnahme vor dem Starten eines Benzinmotors ist die Riechprobe. Noch ehe das notwendige Ventilationsgebläse eingeschaltet wird, sollte man die Nase in den Motorraum stecken und prüfen, ob ein deutlicher Benzingeruch wahr nehmbar ist. In einem solchen Fall muss die Ursache sofort erkundet werden. Das Einschalten elektrischer Verbraucher ist zu unterlassen. Bild 4.

Nicht selten entstehen an Metall-Trpeibstoff tanks durch Elektrolyse beziehungsweise durch undichte Schweißnähte feine Lecks, die erst dann in Erscheinung treten, wenn durch zu volles Tanken bis zum Überlaufen, Bild 5(1), eine Flüssigkeitssäule im Zuleitungsrohr, Bild 5(2), für Überdruck im Treibstoff tank sorgt. Daher sollte man nach einem “Übertanken” unter Deck nachsehen, ob Benzingeruch entsteht beziehungsweise sich Leckagen an Schlauchklemmen oder Tanknähten zeigen. Bild 5(3).

Wie man größeren Schaden vermeidet
Bricht nach dem Tanken im Motorraum ein Feuer aus, so sollte sofort die Windrichtung überprüft werden. Besteht die Gefahr, dass das Feuer durch den Wind über den vorderen Schiffsteil ausgebreitet wird, Bild 6(1), muss sofort die Heck leine gekappt und das Boot gedreht werden. Bild 6(2). So bleibt der Brand vorerst auf das Achterschiff begrenzt. Erst nach der Drehung sollte mit dem Löschen begonnen werden. Bild 6(3).

Nicht immer muss das Schiff fluchtartig verlinsen werden, wenn es unter Deck brennt. Ist das Feuer noch überschaubar, sollten als Erstes die Segel geborgen und der Anker geworfen werden, sofern die Wassertiefe dies zulässt. Dadurch wird der Bug im Wind gehalten, und der Crew verbleibt ein rauchfreier Platz, an dem bis zum Eintreffen eines Retters ausgeharrt werden kann.
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Wenn an Bord einer Yacht im Hafen ein Feuer ausbricht, sind die folgenden Maßnahmen einzuleiten. Zuerst Bordläscher einsetzen, Bild 7(1), zweite Person holt sofort den Steglöscher, Bild 7(2), Brand vom Steg bekämpfen. Bild 7(3).

Wenn der Feuerlöscher nicht mehr hilft, Nachbarboot schützen, Bild 8(1), Festmacher durch schneiden, Bild 8(2), Boot treiben lassen. Bild 8(3).

Wenn die Nachbarboote in Sicherheit sind, fahrbares Löschgerät einsetzen, Bild 9(1), vom Steg aus löschen, Bild 9(2), falls kein Erfolg, brennendes Boot wegschleppen. Bild 9(3).

Falls das Feuer durch eine Explosion entstanden ist oder sich so schnell unter Deck ausgebreitet hat, dass alle Maßnahmen zur Feuerbekämpfung sinnlos erscheinen, sollte die Crew möglichst umgehend Rettungswesten anlegen und über Bord springen beziehungs weise die Rettungsinsel oder das Dingi benutzen. Daher ist es wichtig, dass die Rettungswesten grundsätzlich nicht unter Deck, sondern in einer Backskiste aufbewahrt werden.
Wassereinbruch über geschmolzene Schlauchverbindungen
Nicht selten sinken Yachten innerhalb kurzer Zeit, nachdem im Motorraum ein Brand ausgebrochen ist. Ursächlich hierfür sind in solchen Fällen fast immer Plastikschlauch-Verbindungen zwischen Cockpitlenzern und Bodenventilen, die bereits bei geringer Hitzeentwicklung schmelzen. Es ist daher empfehlenswert, das untere Rohrstück bis über die Wasserlinie aus Metall zu fertigen und fest mit dem Bodenventil zu verbinden.

Brandbekämpfung im Motorraum
Bei einem Brand im Motorraum muss verhindert werden, dass Sauerstoff zugeführt wird, zum Beispiel durch das Öffnen des Motorraum-Luks.
Empfehlenswert ist die Installation einer feuerfesten, aber leicht durchstoßbaren Membrane (die es im Fachhandel gibt) direkt über dem Motorraum oder in einer entsprechenden Abschottung. Die untere Zeichnung verdeutlicht die Einbaumöglichkeit. Mithilfe dieses Feuerlösch-Durchlasses kann das Löschmittel direkt an den Brandherd gebracht werden, ohne dass zusätzlicher Sauerstoff eintritt.

Löschen mit Decken
Hat die Kleidung eines Crewmitgliedes Feuer gefangen, so darf ein Feuerlöscher nicht zum Einsatz kommen. Stattdessen ist ein sofortiger Sprung ins Wasser ratsam, sofern sich das Boot im Hafen befindet. Liegen bereits Verbrennungen, Anzeichen einer Rauchvergiftung oder Ohnmacht vor, so muss die betreffende Person sofort von einem Hellet auf den Boden gelegt und das Feuer mit einer Wolldecke erstickt werden. Sie wird mit der Windrichtung, also von Luv aus, über die brennende Person gebreitet, beziehungsweise vom Kopfende her, um die Flammen vom Gesicht wegzuschlagen. Wichtig ist es, dass die Sauerstoffzufuhr für mindestens 60 Sekunden unterbunden wird. Daher muss die Wolldecke rund um den Verunglückten fest auf den Boden gepresst werden. Nach diesem Zeitraum ist der Kopf freizuhalten.

Auf keinen Fall darf man Decken oder Planen aus Kunstfasern verwenden. Da diese Stoffe leicht brennbar sind, besteht eine starke Gefahr der Verletzung für Crewmitglieder durch Brandverstärkung (schnelle Entflammbarkeit der Decke oder Plane) und durch Anschweißen der Stoff teile auf der Haut sowie Vergiftung durch die Oxidationsstoffe der Decke.
Auch Kocherbrände lassen sich am schnellsten und nachhaltigsten mit einer Decke, besser noch mit einer speziellen Feuerlöschmatte eindämmen. Hier wird das Abdeckmaterial an den unteren Kocherrand gehalten und von unten nach oben über den gesamten Brandherd geworfen.

Bei “jungen” Bränden, die noch keine starke Hitze entwickelt haben, empfiehlt sich stets die Abdeckmethode, da die gebräuchlichen Pulver-Feuerlöscher bereits bei kurzen Einsatz das Schiff sehr verschmutzen. Eine Feuerlöschmatte sollte daher griffbereit in der Nähe der Pantry auf jedem Boot liegen.