Das Anlaufen von Lee ist ein kritisches Manöver, das bei extremen Notbedingungen wie Starkwind, hohem Seegang oder technischen Ausfällen lebensrettend sein kann. Beim Anlaufen von Lee muss die Crew schnell und präzise handeln, um das Boot zu stabilisieren und eine sichere Position zu erreichen. Besonders in Stürmen erfordert das Anlaufen von Lee fundierte seemännische Erfahrung, da falsche Entscheidungen die Situation verschlimmern können.
Moderne Sicherheitsstandards und Trainings betonen die Bedeutung des Anlaufens von Lee in Notszenarien. Durch regelmäßige Übungen und die richtige Ausrüstung kann das Anlaufen von Lee auch unter extremen Bedingungen kontrolliert ablaufen. Ob bei Manöverunfällen oder plötzlichen Wetterumschwüngen – das Anlaufen von Lee bleibt eine zentrale Rettungstechnik für jede Crew.
Abbergen – aber wie?
Aus der Sicht eines zu Hilfe kommenden Skippers sieht manche Strandung harmlos und eine Abbergung unkompliziert aus. Dadurch werden häufig notwendige Vorsichtsmaßregeln missachtet und elementare Fehler bei dei Vorbereitung des Manövers beziehungsweise beim An laufen des Havaristen gemacht, die den Berger selbst in größte Gefahr bringen können. Grundsätzlich lässt sich die jeweilige Lage nur vor Ort einschätzen. Bei manchem gutgemeinten Abbergemanövel wird durch die Unkenntnis des Bergers dei vorhandene Schaden noch vergrößert. Vor all em auf Gewässern mit Seegang muss sehr umsichtig manövriert werden.
Anlaufen von Lee
Ein häufiger Fehler ist die Missachtung der Wind- und Wellenrichtung. Es wird versucht, mit achterlichem Wind und mitlaufender Weile an den Havaristen heranzufahren, wodurch es beim Abbergemanöver unweigerlich zur Kollision kommt. Bild 1(1).
Richtig ist es hingegen, in einem spitzen Winkel oder direkt gegen die Windrichtung an die gestrandete Yacht heranzulaufen, vorausgesetzt, die Wassertiefe reicht für den Berger aus. Bild 1(2).

Kielyachten haben einen durchschnittlichen Tiefgang von 1,40 m bis 1,80 m, während Motorboote in der Regel weniger als einen Meter tief gehen.
Auch Yachten, die mit Mastbruch treiben, werden häufig an der falschen Seite, in Luv, angelaufen (links). Dort aber treiben unter Umständen Leinen, Mast- und Riggteile, da diese wie ein Treibanker wirken. Sie können leicht Boote in Gefahr durch Leinen im Propellerin den Propeller geraten und den Berger selbst zum Havaristen machen. Auch aus diesem Grunde sollte das Schleppfahrzeug stets von See an den Havaristen heranfahren. Bild 2.

Dieses gilt auch für den Jollensegler, der einem gekenterten Kameraden zu Hilfe kommen will. Segelt er von Luv heran, so wird er unweigerlich von Wind und Wellen auf den Havaristen versetzt und mit dem Mast beziehungsweise oder den Segeln kollidieren, sofern die Jolle nicht durchgekentert ist. Bei der nächsten Bö kentert er vermutlich ebenfalls, Mast und Segel schlagen auf das havarierte Boot (rechts). Bild 3.

Gefährliches Freischleppen
Segler, die ein auf Legerwall festgekommenes Boot nur unter Segeln freischleppen wollen, überschätzen häufig die eigenen Möglichkeiten. In der Regel wird man zuerst mit Backstags-Wind, dann mit Halbwind an den Havaristen heranmanövrieren und bei einem Aufschießer versuchen, die Schlepptrosse überzugeben. Bild 4(1). In diesem Moment treibt der Berger nach Lee und kann keine Fahrt aufnehmen, da das Steifkommen der Schlepptrosse die Abdrift verstärkt. Bild 4(2). Eine Strandung neben dem Havaristen ist unvermeidlich. Bild 4(3).

Schlepptrosse übergeben
Abbergen einer Yacht von einer Legerwaliküste ist, auch für eine Motoryacht, ein schwieriges und gefährliches Manöver, das nur dann erfolgversprechend ist, wenn Berger und Havarist sich der jeweiligen Situation entsprechend umsichtig verhalten. Vor dem Festgekommenen muss der Berger gegen Wind und Seegang aufdrehen. Der Steuermann beobachtet ständig das Echolot. Bild 5(1). Ein weiteres Crewmitglied, Bild 5(2), fiert vom Achterschiff einen Schwimmkragen, Bild 5(4), mit einer langen Sorgleine, Bild 5(3), achteraus. Der Vordecksmann muss bei dem Manöver mit Lifebelt und Schwimmweste gesichert sein. Bild 5(5). Am günstigsten ist es, wenn eine starke Slepptrosse vom Havaristen zum Berger mithilfe der Sorgleine übergeben wird, da die Trosse vorher sorgfältig belegt werden muss (siehe Kapitel “Schleppen mit Verstand“). Bild 5(6).

Der Mast ist zum Abschleppen nur geeignet, wenn er durchs Deck geführt ist. Angeschleppt wird mit halber Kraft. Lässt der Havarist sich nicht von seiner Position bewegen, muss das Manöver abgebrochen werden, da sonst auch Gefahr für das eigene Boot besteht.
Selbst in Gefahr kann auch eine Motoyacht geraten, die ein anderes Boot abbergen will, das auf einem Stack im Strom festgekommen ist. Hierbei sind besonders die Stromrichtung, die Stromgeschwindigkeit und der daraus resultierende Sicherheitsabstand vom Stack zu beachten. Wird er zu kurz gewählt, so ist es
wahrscheinlich, dass der Berger bei Übergabe der Schlepptrosse selbst auf das Stack driftet und bei Grundberührung nicht mehr mit eigener Kraft freikommen kann beziehungsweise Schaden erleidet. Bild 6.

Bei festgekommenen Booten in Fluss-oder Tidengewässern muss stets die Strömung beachtet werden. Man nähert sich immer gegen den Strom. Bild 7.

Ausnahme: Wenn die Yacht mit dem Strom auf einem Stack festgekommen ist, dann niemals mit dem Stromfreischleppen, da man sonst den Havaristen noch weiter auf das Stack ziehen würde, sondern nur schräge gegen den Strom zur Fahrwasserseite hin ziehen.
Auch ein starkes Motorboot ankern so geht es richtig und sicherMotorboot wird sich unter Umständen vergeblich bemühen, eine aufgelaufene Kielyacht freizuschleppen, wenn es nicht gelingt, die Krängung des Segelbootes zu vergrößern. Dies gelingt am besten, wenn der Schlepptampen mit einem Palstek um den Mast gebunden und mit dem Fock-odel Großfall bis in Salinghöhe beziehungsweise unter die Wantenbeschläge aufgeheißt wird. Der Berger muss dann seitlich sehr vorsichtig anziehen, da bei zu großer Zugkraft der Mast brechen und das Rigg beschädigt werden kann. Bild 8.

Aufrichten eines Schwertbootes
Ein durchgekenterter Jollenkreuzer (oder eine Schwertjolle) muss vor dem Abschleppen aufgerichtet werden. Hierzu manövriert der Berger vorsichtig von Lee an das treibende Boot heran und befestigt die Schleppleine an dem Fütting des Leewants. Gleichzeitig wird eine dünnere Trimmleine am Ruderbeschlag festgebunden. Bild 9.

Mit beiden Leinen manövriert der Berger jetzt worsichtig um den Havaristen herum und setzt schön in Luv davor.
Beim Anschleppen kontrolliert ein Besatzungsmitglied mithilfe der Trimmleine die Lage des Havaristen quer zum Schlepper. Bild 10.

Noch bevor sich das Boot vollständig aufgerichtet hat, muss der Berger seine Fahrt aufstoppen, da sonst die Jolle zur anderen Seite umschlagen würde. Bild 11.

Nach dem Aufrichten wird die Jolle längsseits festgemacht und gelenzt, bis sie nicht selbständig ist. Vor dem Abschleppen werden die Segel abgeschlagen, das Schwert aufgeholt und das Ruder ausgehängt. Bild 12.

Abbergen von Personen
Häufig ereignet sich eine Strandung bei schwerem Seegang direkt in der Brandungs zone. Entsprechend heftig sind die Stampfbewegungen des bergenden Bootes. Dabei kann es leicht passieren, dass die zu rettende Person vom Rumpf des Havaristen abrutscht und zwischen die Bordwände gerät. Lebensgefährliche Quetschungen, vor allem an den Füßen und Beinen, sind die Folge. Daher sollten Personen nur dann abgeborgen werden, wenn ein direkter Kontakt zum Retter besteht.
Bei der Übernahme müssen sich beide Boote notgedrungen bis auf eine kurze Distanz annähern. Es ist hierbei unbedingt notwendig, alle verfügbaren Fender sowohl beim Retter als auch beim Havaristen auszubringen. Unter Umständen ist es sowohl für den Retter als auch für die abzubergenden Personen sicherer, wenn das bergende Boot auf Distanz bleibt und man an einem Rettungskragen oder Fender eine Leine zum Havaristen treiben lässt. An dieser Leine gesichert kann dann die zu rettende Person ein kurzes Stück durchs Wasser gezogen und über die Heckleiter an Bord genommen werden. Dafür dürfen die zu rettenden Crewmitglieder allerdings weder verletzt noch anderweitig geschwächt sein.
Sollte ein Crewmitglied auf einer Segelyacht schwere Verletzungen erleiden oder Symptome einer ernsten Krankheit zeigen, so wird es ratsam sein, eine schnellere Motoryacht über Funk oder durch Notsignale herbeizurufen, damit unverzüglich ein Krankenhaus erreicht werden kann. Bei der Übernahme auf See manövriert die Bootstypen: Ein umfassender Leitfaden zu Segelyachten und MotorbootenSegelyacht von achtern in Lee auf die Motoryacht zu, da Letztere bei Seegang und in Langsamfahrt nicht feinfühlig genug manövriert werden kann. Der Bugbereich wird sorgfältig gefendert. Bild 13.

Sobald der Bug mit dem Heck des Motorbootes überlappt, werden die Festmacher ausgebracht. Es ist auf See nicht ratsam, vollständig längsseits zu gehen, da bei stärkerem Seegang beide Boote schweren Schaden erleiden würden. Jetzt ist es möglich, das hilfebedürftige Crewmitglied vom Vordeck aus in die Plicht des Motorbootes zu übergeben. Bild 14.

Bei der Abbergung eines Verunglückten, der im Wasser treibt oder selbst keine Hilfestellung leisten kann, wird stets eine Doppelwinschung durchgeführt. Dabei lässt die Helikopter-Crew einen Mann herab, der die Rettungsschlinge fachgerecht um den Verunglückten legt. Er sorgt auch dafür, dass der Körper während des Aufwinschens in der richtigen Lage bleibt. So kann selbst eine ohnmächtige Person sicher in den Hubschrauber gehievt werden.
Für die Abbergung eines bewegungsunfähigen Crewmitglieds von Bord setzt man indessen einen Tragekorb ein, in den der Verunglückte hineingelegt und durch Gurte gesichert wird. Der so genannte “Stretcher” darf selbstverständlich auch nur an Deck gestellt und nicht festgelascht werden. In der Regel wird die Hubschrauber-Crew vorher einen Mann abwinschen, der das Manöver an Deck fachgerecht abwickelt.
So nicht …
Auf keinen Fall darf nach dem Aufpicken des Winschdrahtes der hier gezeigte Fehler gemacht werden. Aus Angst, das Seil könne wieder entwischen, hat der Abzubergende es an Bord belegt. Der Hubschrauber käme in einer solchen Situation in ernste Schwierigkeiten, die Überlast-Sicherung der Winsch würde ausgelöst, und die Hubschraubercrew müsste in letzter Konsequenz das Seil absprengen, wodurch alle Rettungsmöglichkeiten vergeben wären.
… sondern so
Und so wird das Aufwinschmanöver an Bord der Yacht richtig ausgeführt. Sobald die Fangleine wahrgenommen worden ist, das Winschseil mit der Rettungsschlinge heranziehen. Wenn möglich, sollte es ein Mann der Crew per Hand sichern. Die Rettungsschlinge wird unter den Armen hindurch nach vorn geführt und vor der Brust mit einer der Verschlussösen verbunden. Nur so ist sichergestellt, dass man beim Aufwinschen nicht aus der Schlinge rutscht.